Baugeschichte

Heute erstrahlt die Villa Koerner an der Beyerstraße 25 in Chemnitz wieder in altem Glanz. Die vergangenen Jahre des mehr und mehr drohenden Verfalls sieht man ihr nicht mehr an. Obwohl Sie in der Literatur als eines der bedeutendsten Bauwerke des Autodidakten Henry van de Velde beschrieben wird, schien Sie im öffentlichen Bewusstsein vergessen zu sein.

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Im zweiten Weltkrieg wurde die 1914 erbaute Villa durch den Treffer einer Brandbombe stark beschädigt. Vor allem das markante Dachgeschoss mit seiner außergewöhnlichen Formgebung, sowie das typische Oberlicht, gingen unwiederbringlich verloren.

Das in den 60er Jahren aufgebrachte Dach diente lediglich der provisorischen Sicherung des Gebäudes.

In den folgenden Jahrzehnten wurde die speziell für ein angenehmes Wohnen gut durchdacht angelegte Villa als Rechenzentrum genutzt und beträchtlich in ihrer Bausubstanz verändert. Bedingt durch den wirtschaftlichen Zusammenbruch der staatlichen Betriebe in der Wendezeit zwischen 1989 - 1990 stand das Gebäude in den folgenden 10 Jahren leer.

1999 wurden die Geschäftspartner Dipl.- Ing. Architekt Peter Apfel und Olaf Pfeifer auf der Suche nach neuen Büroräumlichkeiten durch einen glücklichen Zufall auf die im "Dornröschenschlaf" liegende Villa Koerner aufmerksam.

Die äußere Gestalt verriet zunächst nicht unbedingt Henry van de Velde als den geistigen Vater des Hauses. Erst die Auskünfte des Denkmalschutzes der Stadt Chemnitz über das Gebäude, sowie nachfolgende Recherchen in der Literatur, gaben Aufschluss über die architektonische Bedeutung.

Eine Bestandaufnahme im Frühjahr 2000 der Villa Koerner, sowie des angrenzenden Parks durch das Architekturbüro Peter Apfel, verdeutlichte die zukünftigen Anstrengungen, die notwendig sein würden um aus einem trostlos wirkenden Sanierungsobjekt ein Schmuckstück unter den Stadtvillen in Chemnitz entstehen zu lassen.

Die größte Herausforderung stellte die komplette Rekonstruktion des Dachgeschosses dar.

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Die Dachkonstruktion konnte nur aufgrund zweier vorliegender Fotos der Außenansichten aus dem Entstehungsjahr 1914, sowie weniger originaler Skizzen in Zusammenarbeit mit dem Tragwerksplaner Dipl.-Ing. Jens - Ulrich Groß nachempfunden werden. Verwendbare Planunterlagen waren trotz Nachforschungen über die Henry van de Velde - Gesellschaft nicht mehr vorhanden.

Da das Dachgeschoss nach der Sanierung optimal genutzt werden sollte, wurde das statische Prinzip des Dachstuhls im Vergleich zur ursprünglichen Konstruktion abgewandelt. Zusätzlich wurde eine 2. Ebene eingehangen, die ein verglastes Achteck umschließt. Mit diesem architektonischen Kunstgriff wurde ein außergewöhnlicher transparenter Raum geschaffen ohne das äußere Erscheinungsbild in irgendeiner Weise zu verändern.

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Viel Wert legten die Eigentümer auf den Innenausbau der Villa Koerner. Bevor das teilweise gewölbte, blau schimmernde Oberlicht im Zusammenspiel mit der dunkel holzgetäfelten Diele im Erdgeschoss wieder seine volle Wirkung entfalten konnte, mussten intensive Nachforschungen in Archiven sowie bei Privatpersonen, fotogeometrische Vermessungen von Details, sowie zeitaufwändige Konstruktionsstudien durchgeführt werden.

Der Eingangsbereich mit anschließender möblierter Diele wurde wieder in den ursprünglichen Originalzustand versetzt und lässt den Betrachter erahnen wie die Familie des Tintenfabrikanten Theodor Koerner vor über 80 Jahren in diesem Haus gelebt hat.